Der kleine Wermutstropfen beim faszinierenden Sonnenaufgang im kambodschanischen Angkor Wat

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Es ist dunkel. Stockdunkel. Meine müden Augen bahnen sich einen Weg aus der dunklen Gasse in die rötlich matt erhellte Hauptstraße von Siem Reap. Leise rollen die Reifen meines Leihfahrrades über den dunklen Asphalts. Es ist vier Uhr morgens. Der kleine kambodschanische Ort Siem Reap liegt verschlafen vor mir, menschenleer, lediglich der Fahrradkorb am Lenker klappert vor sich hin.

Eine fast einsame Fahrt nach Angkor Wat

Ich spüre den angenehm erfrischenden Fahrtwind im Gesicht und entdecke tatsächlich einige wenige Menschen, die am Straßenrand Ihre Marktstände aufbauen. Die morgendliche Müdigkeit weicht einer aufweckenden Vorfreude während ich durch die verschlafenen Straßen von Kambodschas meistbesuchter Kleinstadt rolle. Der Dynamo rattert und spendet, wie ich feststellen muss, nur sehr spärliches Licht.

Ich tauche ein in die Dunkelheit der Zugangsstraße zur Tempelanlage Angkor Wat. Dunkle baumhafte Kreaturen säumen die betonierte Linie auf dem zur einer der weltgrößten Tempelanlagen, deren Anfänge auf das 10. Jahrhundert zurückgehen.
Schon stelle ich mich auf eine einsame Fahrt ein, als ich ein Stück voraus zwei kleine Lichtkegel entdecke. Mein Fahrrad knarrt, als ich in die Pedale trete. Kurz darauf schließe ich auf und stelle fröhlich fest, dass es sich um einen Engländer und eine Schwedin handelt, die sich ebenfalls den Sonnenaufgang anschauen möchten. Nach einem kurzen Hallo, ohne jedoch anzuhalten, fahren wir belustigt im Dreierpack weiter.

 

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Siem Reap in den frühen Morgenstunden

Zu früh an den Toren von Angkor

Wir erreichen gegen 4.30 Uhr die Tore von Angkor. Wir sind zu früh. Viel zu früh. Außer einigen Parkwächtern, die uns den Weg versperren ist niemand zu sehen. Sie teilen uns mit, dass wir erst ab 5.00 Uhr die Anlage befahren dürfen. Was wollen wir machen? Beim Reisen läuft eben nicht immer alles nach Plan.
Wir nutzen die Zeit um uns über die bisherige Reiseroute auszutauschen und quatschen, mittlerweile erwacht, erwartungsfroh daher. Die Zeit verfliegt wie im Flug. Schon öffnen sich die Tore und wir machen uns auf den dunklen Weg zur Tempelanlage Angkor Wat. Wir folgen der  Straße, die sich im Dunkeln und in gespenstischer Ruhe von den Strapazen des heißen Vortages zu erholen scheint.
Uns ist nicht recht klar, wo wir genau hinmüssen, aber kurze Zeit später entdecken wir eine spärlich beleuchtete Brücke, an der wir unsere Fahrräder abstellen. Jetzt bemerken wir auch erste weitere Besucher. Wo diese herkommen ist mir bis heute ein Rätsel.
Wir schlendern über die Steinbrücke und durchschreiten das Eingangstor zur Tempelanlage, die sich wie schwarze Schatten in der Dunkelheit schemenhaft abzeichnen.

 

Einsam ist anderst

Kurze Zeit später entdecken wir linker Hand weitere menschliche Silhouetten. Perplex stelle ich fest, dass uns ein Meer aus Menschen und Stativen erwartet. Ein wildes Gemurmel empfängt uns, während wir auf der Suche nach einem freien Platz entlang des Wasserteiches auf die linke Seite ausweichen. Wir finden einen Platz direkt an der Wasserlinie. Von da an heißt es auf den Sonnenaufgang warten.
Es herrscht reges Treiben. Kaffee sowie Frühstückskokusnüsse werden feilgeboten. Immer mehr Besucher drängen an den vermeintlich besten Platz für den berühmten Tagesanbruch. Es ist ein munteres Schauspiel um die besten Plätze, die besten Kamerapositionen und- einstellungen.  Amüsiert und belustigt verkürzen wir uns die Wartezeit auf den Sonnenaufgang mit der Beobachtung von Menschen.

 

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Warten auf den Sonnenaufgang in Angkor Wat

Nicht romantisch, aber wunderschön

Die Dämmerung setzt langsam ein. Die Konturen der Tempel von Angkor Wat zeichnen sich immer deutlicher von dem gräulich bläulichen Hintergrund ab. Ein Raunen geht durch die Menge als der erste Sonnenstrahl plötzlich hinter der Silhoutte des Tempels hervorbricht. Es herrscht helle Aufregung, Fotoauslöser klicken. Das Sonnenlicht spiegelt sich an der Wasseröberfläche und breitet sich langsam aus. Angkor Wat wird von Licht durchflutet und glänzt in gelblich gleisenden Licht. Neben dem hektischen Trubel ist es vor allem eines: wunderschön!

 

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Dämmerung in Angkor Wat

 

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Die Sonne erscheint am Hoirzont

 

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Lichtspiegelung um Wasser

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Sonnenaufgang in Angkor Wat

An Irishman on tour Tipp

Fahrräder gibt es in Siem Reap nahezu überall in Guesthouses, Hostels und kleinen Läden zu leihen. Einfache Bikes kosten 1,5 bis 2 US-Dollar (USD) , während Mountainbikes ab 5 USD zu haben sind. Der große Vorteil gegenüber geführten Touren oder dem mieten eines Tuk-Tuks mit Fahrer (ab 5 USD pro Person) ist, dass Du individuell Anhalten und Sehen kannst, was und so lange Du möchtest. Auch wenn das Areal von Angkor Wat gewaltige Ausmaße annimmt und ich aufgrunddessen nicht alles sehen konnte, bevorzuge ich dennoch die individuelle Reisegestaltung und fand es unglaublich schön, Angkor Wat mit dem Rad auf eigene Faust zu entdecken.

Die Tore von Angkor Wat öffnen sich um 5 Uhr und werden um 17.30 Uhr verriegelt. Übrigens kannst Du ab 16.45 Uhr ein Ticket kaufen, dass für diesen und den darauffolgenden Tag gültig ist. Dies ermöglicht Dir beispielsweise noch den Sonnenuntergang auf dem Phnom Bakheng zu erleben.
Ein Tagesticket kostet 20 USD, während der 3-Tagespass 40 USD (gültig im Zeitraum von einer Woche), und der 7-Tagespass 60 USD (gültig für einen Monat) veranschlagt.

Es empfiehlt sich übrigens weder ein Aufenthalt danach, noch der Versuchung zu erliegen ohne Ticket die Anlage von Angkor Wat zu besuchen. Beides wird mit 100 USD geahndet.

Sobald Du über den Wassergraben gelaufen, im ersten Tor verschwunden und den Steinweg weitergelaufen seit, hältst Du Dich am besten links und versuchst einen Platz an dem Wasserteich zu bekommen. Von dort aus, hast Du den besten Blick um den Sonnenaufgang zu geniessen.

Was Angkor Wat noch alles zu bieten hat und was Du bei Tageslicht entdecken kannst, erfährst Du in diesem Artikel.

Cheers, Dein Irishman in Kambodscha

Warst Du schon Angkor Wat? Willst Du dort hin? Und stört es Dich, wenn beeindruckende Erlebnisse von Touristenströmen gestört werden?

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About Author

Hello, hello! Ich bin Patrick. Rothaarig. In dieser Kombination sozusagen Ire. Mehrmalsauszeitnehmer. Wenn ich nicht gerade Köln entdecke, dann die Welt. Hier erfährst Du mehr über mich

4 Kommentare

  1. Ja, ich war schon am Ankor Wat. Und es war toll. Den Sonnenaufgang habe ich allerdings immer verschlafen. Die Touristenmassen stören mich eigentlich nicht. Ich wollte immer schon dorthin und der Ort hat etwas magisches. In der gesamten Anlagen verläuft es sich „relativ“ gut, finde ich. Viele Busse mit den wirklichen Massen haben einen Zeitplan, der nach meiner Beobachtung nicht länger als eine halbe Stunde in jedem Tempel vorsieht. Und Mittagessen ist zwischen 12 und 14 Uhr. Da war dann auch nicht mehr so viel los.
    OK – Touristenmassen sind hier natürlich unterwegs. Aber hey, ich fand´s einmalig 🙂

    • Hello Steffi,

      ich bin da ganz bei Dir. An so populären und spektakulären Orten gibt es natürlich Touristen, nichtsdestotrotz ändert das nur wenig an dem atemberaubenden Sonnenaufgang. Während ich zur Sonnenaufgangzeit doch überrascht über die Anzahl der Menschen war, bin ich sehr überrascht gewesen dass sich das über den Tag dermassen verteilt. Insbesondere wenn Du nach dem Sonnenaufgang direkt zum Tempel Ta Phrom, die Runde also gegen den Uhrzeigersinn fährst, wirst Du eine ganze Weile kaum Menschen treffen. Und ganz vermeiden lässt sich das natürlich nie.

      Liebe Grüße aus Köln,
      Patrick

    • Liebe Mirella,

      herzlichen Dank für die sehr motivierenden Worte. Ich freue mich total, dass ich Dich inspirieren konnte. Das ist für mich mein schönster Antrieb für diesen Blog. Ich bin mir sicher, dass Du bald unbeschwerter, spontaner und noch mutiger in die Zukunft schreiten wirst. Alles was Du brauchst ist ein bisschen Mut, den Willen etwas zu verändern und es letztendlich einfach zu tun, anstatt zuviel Deinen zweifelnden Gedanken zu überlassen.
      Trau Dich!

      Wenn Du noch fragen hast, immer gerne!
      Liebe Grüße aus Köln
      Patrick

      PS: Danke für den Bericht zum Bloggertreffen!

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