Die Auszeit als vorgezogenes Rentenmodell

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Rente? Wie Rente? Darüber möchte ich jetzt nicht nachdenken! Das ist noch viel zu lange hin. Geht es euch genauso? Stimmt, sich darüber Gedanken zu machen, was in 30 bis 40 Jahren passieren wird ist ein eher betrüblicher Gedanke, aber auch wenn ich kein großer Planungsmensch bin, ist es sicherlich eine Überlegung wert. Diese Gedanken kamen mir als ich in Südostasien John aus den USA kennenlernte, der mit seinen 60 Jahren zum ersten Mal mit Rucksack unterwegs war und zum ersten Mal eine Reise außerhalb seines Heimatlandes unternahm. Muss ich wirklich bis zum Rentenalter auf meine Auszeit warten? Und was, wenn ich in 30 Jahren, gar nicht mehr in der Lage wäre, eine Reise nach meinen Vorstellungen zu genießen?

 

Unser Rentensystem steht auf wackeligen Beinen

Ich bin mit Sicherheit ein optimistisch denkender Mensch und möchte keineswegs Pessimismus verbreiten. Auch möchte ich mich nicht einreihen in die vielen Stimmen, die besagen, wir würden niemals eine Rente erhalten. Ich gehe davon aus, dass es in Deutschland zu einer Rentenzahlung kommen wird, die Frage ist nur auf welchem finanziellen Niveau die Auszahlung erfolgen wird. Das aktuell historische niedrige Zinsniveau oder aber die Alterspyramide, welche immer weniger Beitragszahler und mehr Rentennehmer hervorbringt sind nur zwei Gründe meiner Zweifel. Aber auch die immensen Schuldenlasten von Staaten und Privathaushalten sowie die aktuellen geopolitischen Spannungen lassen mich fragend zurück, inwieweit und in welcher Höhe die Rentenansprüche in Zukunft beglichen werden können.

 

Du weißt nicht was die Zukunft für dich bereithält

Die gewaltige Krux an dieser Sache ist, dass du nicht weißt was in Zukunft geschehen wird. Wirst du eine Rentenzahlung erhalten? Wirst du später körperlich und geistig fit genug sein, deine Auszeitträume zu realisieren? Mein Vater steht kurz vor seiner Verrentung. Leider sind einige seiner lieben Freunde gesundheitlich nicht mehr in der Lage sich unbeschwert eine Reise zu gönnen oder haben sich aus seinem Freundeskreis verabschiedet. Oder werden später die finanziellen Mittel ausreichen, um dir deine Träume zu erfüllen?

 

Willst du auf dein Rentenalter warten?

Hätti und Wenni (Hätte ich doch…wenn ich nur…) hast du bereits in Was ich bisher auf Reisen gelernt habe kennengelernt. Als mir John in einer Rooftopbar in Saigon tränenüberströmt erzählte, er hätte seine Reise schon wesentlich früher in Angriff nehmen sollen, wurde mir bewusst, dass Hätti und Wenni wieder zugeschlagen hatten. Diese Worte und der Mensch dahinter ergriffen mich. Es lag so viel unbeschönigende Wahrheit darin, aber auch bittere Enttäuschung, einen Weg nicht vorher gegangen zu sein. Die Vergangenheit lässt sich nicht rückgängig machen. Allerdings können wir daraus lernen. Ich saß nachdenklich vor ihm und fühlte mich darin bestätigt, mir meine Auszeiten jetzt zu nehmen und nicht auf die Zukunft zu warten. Findest du das abwegig?

 

Die Auszeit als vorgezogenes Rentenmodell

Nehmen wir mal an du würdest dir eine einjährige Auszeit gönnen. Denkst du wirklich das hätte nennenswerte Auswirkungen auf deine spätere Rentenzahlung? Nehmen wir weiter an du könntest in deiner Blüte deines Lebens bei voller Gesundheit eine Auszeit nehmen und dir deine Reiseträume erfüllen und dir Zeit zum Nachdenken ermöglichen? Einen Weg einzuschlagen der deine Zukunft verändert? Wie klingt das? Ich für meinen Teil wähle meine Rente vorzuziehen. Das bedeutet: Ich verzichte auf den marginalen Anteil meiner Rente (deren Höhe durchaus ungewiss ist) und den ich durch meine Auszeiten nicht erhalte werde und lebe jetzt. Gerne arbeite ich dafür notfalls länger als die anvisierten 63 oder 67 Jahre des Renteneintrittsalters. Ich nehme meine Rente vorweg und lebe sie bereits jetzt aus, ohne das Risiko einzugehen, nicht zu wissen was in Zukunft passiert wird. Ohne das Risiko einzugehen, ob ich dazu später überhaupt noch in der Lage sein werde. Das Leben ist schließlich immer noch endlich.

 

Fazit

Was in Zukunft in deinem Leben passieren wird, weiß niemand. Eines ist aber gewiss: Jetzt hast du die Möglichkeit bei voller körperlicher und geistiger Gesundheit dir eine Auszeit zu gönnen. Ich bezweifle stark ob sich eine Auszeit von ein bis zwei Jahren deiner Lebenszeit finanziell auf deine Rentenbezüge in 30 bis 40 Jahren auswirken wird. Deswegen bin ich der Meinung es lohnt sich, seine Rentenzeit vorzuziehen und sich jetzt die Zeit zu nehmen. Das mindert das Risiko der ungewissen Zukunft, gerade in Bezug auf Gesundheit und Höhe der Rentenzahlung. Sicherlich können wir die nächsten Jahrzehnte uns nicht eine Dauerauszeit gönnen. Ich bin aber davon überzeugt dass der goldene Mittelweg von Auszeit und Arbeit die Lösung für ein erfülltes Leben ist. Schließlich leben wir nicht in der Vergangenheit oder der Zukunft, sondern jetzt. Deswegen sehe ich die Auszeit als Zukunft des Rentenmodells.
Oder wie es John in seinen Worten äußerte: Hätte ich das doch nur vor 30 Jahren gemacht! Willst du wirklich solange warten?

 

Was hältst du von der Idee der Auszeit als Rentenmodell der Zukunft? Wie siehst du diesen Sachverhalt. Ich bin sehr gespannt auf deinen Kommentar!

 

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Hello, hello! Ich bin Patrick. Rothaarig. In dieser Kombination sozusagen Ire. Mehrmalsauszeitnehmer. Wenn ich nicht gerade Köln entdecke, dann die Welt. Hier erfährst Du mehr über mich

3 Kommentare

  1. Die Schwierigkeit besteht ja darin, dass wir nicht wissen, was in der Zukunft passiert. Genauso wie wir nicht wissen, ob wir mit 65 oder bis dann vielleicht mit 70 noch in der Lage sind zu reisen, so wissen wir auch nicht, ob wir dann noch in der Lage sind, alleinfalls ein oder zwei Jahre länger zu arbeiten. Insofern halte ich die vorgezogene Rente nicht unbedingt für eine bessere Alternative, sondern lediglich für eine Alternative… 🙂

    • Hello Oli,
      da gebe ich dir vollkommen recht. Es ist doch immer eine Frage der Perspektive. Ich für meinen Teil ziehe die Auszeit im Hier und Jetzt vor und gehe das Risiko ein, später eher arbeiten denn Reisen zu können. In die Zukunft können wir nicht schauen, aber das Beste daraus machen.
      Viele Grüße,
      Patrick

  2. Hi Patrick, toller Artikel und: das sehe ich ganz genauso! Ich finde es auch immer sehr schade, wenn Menschen sich nicht trauen, ihre Träume zu leben, denn irgendwann ist es zu spät. Ich weiss nie genau, wie alt ich werde und ich bezweifle, dass ich mit 67 – oder wann auch immer wir dann in Rente gehen – noch meinen Backpack aufsetzen und durch die Welt traveln kann. Wenn ich dran denke, wie chaotisch und anstrengend z.B. Busfahren auf dem Land in Laos war, muss ich sagen, dass ich das ganz sicher nicht im Rentenalter tun könnte. Warum soll ich auch warten? Ich lebe jetzt. Ich bin hier, um glücklich zu sein. Und das bedeutet für mich nun mal kein gradliniges, klassisches Leben. Ich lebe meine Träume jetzt. Genauer gesagt: ich lebe seit 2015 rund um die Welt und plane nicht, dies zu ändern. Und mir ist es egal, ob ich Rente bekomme oder nicht, denn meinen Lebensabend verbringe ich ganz sicher in Asien (da reichen auch 600 Euro). Alles nicht so wild. Ich plane selbstständig zu arbeiten, bis ich umfalle. Liebe Grüsse von Optimist zu Optimist, Jacqui

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