Gejagt. Von Löwen und Antilopen am Grenzübergang Aranya Prathet nach Poipet. Von Bangkok nach Siem Reap

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Bamm! Bamm! hämmerte es an die Busscheibe, neben der ich gerade sitze und mit meinem müden Blick den Fernseher fixiere, der in Überlautstärke eine thailändische Unterhaltungsshow dahinplärrt. Erschrocken richte ich mich auf und blicke erst verwundert, dann perplex auf die in Staub eingehüllte Straße, von welcher der Bus schwungvoll auf einen großflächigen Platz einfährt.
Bamm! Von allen Seiten schwärmen aufgeregte, geradezu hysterische Menschen auf das Gefährt zu. In höchstem Tempo nähern Sie sich, wenn Sie nicht schon den Bus belagern und machen lautstark auf sich aufmerksam. Bamm! Ein Schild mit einer laminierten Übersichtskarte wird an mein Fenster gehalten Bamm! Taxi? Bamm! Tuk Tuk? Wir sind da. Aussteigen. Es geht los.

Ich hatte mich in Bangkok mit einem Kanadier, einer US-Amerikanerin und einer Engländerin zusammengetan, um uns gemeinsam über den berüchtigten Grenzübergang Aranya Prathet – Poipet, der Thailands Osten mit dem Westen Kambodschas verbindet, zu wagen. Ziel unserer Reise war Siem Reap, das Tor zu den sagenumwobenen Templen von Angkor Wat. In der Regel reise ich alleine, doch in diesem Augenblick war es eine Beruhigung dieses Abenteuer zusammen zu bestehen.
Mit dem ersten Schritt aus dem Bus wird es laut. Stimmen überschlagen sich, Menschen die sich gegenseitig wegschieben und sich in den Vordergrund drängen möchten. Wieder und wieder schallen Rufe jeglicher Art von Transportmitteln an unsere Ohren. Ein Arm an der Schulter, ein Zerren am T-Shirt. Wir kämpfen uns zur Seitenklappe des Busses, nehmen unsere Rücksäcke auf und laufen los. Zielstrebig zur Grenze. Es ist nicht weit von hier, laut Auskunft des Busfahrers etwa 5 Minuten zu Fuss. Glücklicherweise hatte dieser uns direkt an der Grenze abgesetzt und nicht im 6 Kilometer entfernten Aranya Prathet.
In diesem Wissen verneinen wir dankend oder ignorieren die aufgestachelte Menge, die uns dazu rät ein Taxi, ein Tuk Tuk oder wenigstens ein Motorrad zu nehmen, da es wirklich zu weit für die Füße nach Kambodscha wäre. Wir halten zusammen Schritt und es wird langsam ruhiger, einige Wenige folgen uns mit Ihren wiederholenden Angeboten. Mit dem Blick auf den Grenzposten verlieren sich auch diese im Staub der Straße.

Überwältigt und angespannt erreichen wir einen riesigen Torbogen mit der Aufschrift „Welcome to Cambodia“. Endlich. Es herrscht ein reges Treiben um das Tor selbst und die Lage ist gelinde gesagt unübersichtlich. Absperrgitter weisen in alle vier Himmelsrichtungen, Hinweisschilder weisen Grenzkontrollen und Visaschalter aus und überraschenderweise versuchen eine Armee von Leuten uns in eine jede zu locken. Mein Verstand meldet sich zu Wort und zwingt meine Füße durch den großen Torbogen. Die anderen folgen mir und schon kurz darauf geht es rechts die Treppen hoch zum Grenzposten der thailändischen Seite.
Wir reihen uns in die Schlange der Ausreisewilligen ein und haben erstmals Zeit zum durchatmen. Irgendwie verrückt. Mir kommt es vor als wäre ich als Antilope durch die Savanne Afrikas marschiert, immer auf der Hut vor einem gefräßigen Löwen.
Die Ausreise verläuft wohltuend entspannt und wir schöpfen neue Hoffnung auf eine unbekümmerte Weiterreise zu unserem endgültigen Ziel Siem Reap in Kambodscha.

Tuk Tuk in Kambodscha

Tuk Tuk in Kambodscha

Ein saures Grinsen steigt in mir auf und ich kann nicht anders. Ein Schmunzeln breitet sich, als wir die kambodschanische Seite betreten und das gleiche Spiel von vorne beginnt. Nur sind wir dieses Mal der direkten Konfrontation ausgesetzt und nicht in einem Bus sitzend geschützt. Unsere Blicken treffen sich kurz und wir rotten uns zusammen.
Eine Horde wild gestikulierender und durcheinander redender Menschen prasselt auf uns ein. Schnell wird uns klar es geht um ein Taxi nach Siem Reap. 50 USD für einen jeden für uns, aber auch nur für uns so günstig. Wir tappen weiter, 40 USD Sonderpreis. „Für alle zusammen?“ werfe ich ein. „Nein, für jeden von uns“ entgegnete mir der aufgebrachte Taxifahrer. Die Wahrheit liegt weit unter den Angeboten, wo, werden wir herausfinden müssen. Zuerst muss allerdings erfolgreich die Grenze nach Kambodscha überquert werden.
Es dämmert langsam und wir erreichen, überhäuft mit günstigen und einmaligen Angeboten den ersten Posten der kambodschanischen Grenzbehörden, der an einen schlauchförmigen Verschlag erinnert. Die dort ausgehändigten Einreiseformulare sind auszufüllen und mit einer Passüberprüfung werden wir weiter geschickt. Menschen tummeln sich überall und bedrängen die Gruppe. Vereinzelte „Taxi?“ Rufe sind in der Luft zu hören. Meine Gedanken versuchen das Wirrwarr zu analysieren, scheinen sich aber nicht damit beschäftigen zu wollen.
Wir erreichen genervt einen Raum der einer Bahnhofshalle gleicht. Nur kleiner und ohne Interieur. Bis auf einen Stuhl. Einen Tisch. Trist. Karg. Vor dem Schalter mit der Aufschrift Visa tummeln sich einige Polizisten, die hektisch Anweisungen ausrufen.
Mein Pass mit der Einreiseformularen wird mir förmlich entrissen. „25 Dollar!“ schnauzt mich der Gesetzeshüter an. Ich entgegne: „20 Dollar“ und zeige ihm die 20 USD Note in meiner Hand. Er macht mich darauf aufmerksam, dass ohne Passbild 25 USD zu zahlen wären. Ich deute auf meinen Reisepass in seinen Händen. Er versteht und reicht den Pass weiter durch die kleine Öffnung in der vergitterten Scheibe. Ich warte angespannt und ein langer Tag macht sich bemerkbar. Wir sind seit 8 Stunden ununterbrochen unterwegs.

Visum Kambodscha 2014

Visum Kambodscha 2014

Mein Pass wird zügig bearbeitet und ich freue mich sehr darauf dieses kostbare Stück wieder in Händen zu halten. Der Beamte tritt vor und verlangt plötzlich 100 Baht (etwas mehr als zwei Euro) von mir. Ich bin verblüfft. „Für was?“ frage ich ihn entschlossen. Sein Zeigefinger deutet auf ein kleines selbstgemaltes Schild auf dem in krakeliger Schrift „service fee“ steht. „Nein!“ pampe ich genervt zurück. Es geht mir nicht um die zwei Euro, aber ich habe etwas gegen selbsterhobene Fantasiegebühren. „100 Baht!“ „No“. Wenn es nicht um meinen Reisepass gine, würde ich glaub vermutlich in einen lauten Lachanfall ausgebrechen. Leider wird die Situation zum ernsthaften Problem, als mein Ausweis zurück hinter die Fensterscheibe zu verschwinden droht. Ich krame eilig 100 Baht hervor und drücke Sie dem Ordnungshüter in die Hand. Keine 2 Sekunden später händigt dieser mir zufrieden meinen geliebten Reisepass aus. Danke!

Kaum verlassen wir mit einem offiziellen Visum des Königreichs Kambodschas die letzte Bastion werden wir sogleich wieder geeignete Transportmittel angepriesen. Die Stimmung ist mittlerweile erschöpft. Alle sind ausgelaugt und wir wollen insgeheim nur noch nach Siem Reap. Egal wie. Die Dunkelheit breitet Ihren Mantel über die Dämmerung aus und erleichtert unser Vorhaben nicht. Das wissen unsere Taxilöwen genau. Wir müssen handeln. Adam, der Kanadier und ich schwärmen aus, um uns über die aktuellen Preise zu informieren, während Liz und Sana auf unsere Rucksäcke aufpassen und weiterhin mit unterschiedlichsten Angeboten konfrontiert sind.
Informationen sind nur schwer zu erhalten. Einheimische halten sich stark zurück oder geben vor keine Ahnung zu haben. Es wird zusammengehalten. Allerdings können wir herausfinden, dass die Busfahrt mit dem öffentlichen Bus 10 USD kostet, und eine Taxifahrt zwischen 7 bis 10 USD für ein jeden von uns möglich ist. Eine wahrhaft wertvolle Information, klingt das doch nach einem wahren Schnäppchen, nach den ersten günstigen 40 bis 50 Dollar Angeboten.

Nach kurzer Abstimmung geht alles ganz schnell. Wir treten an die Unterhändler der Taxifahrer heran, bieten 10 USD pro Person. Nach kurzem zögern fährt ein weißer Personwagen vor. Die Rücksäcke werden eingeladen, wir werden in das Fahrzeug gequetscht. Bumm! Tür zu. Auf dem Weg.
Drei Stunden ruhige Fahrt mit unzähligen Schlaglöchern liegen vor uns. Ein Tag an dem ich mir vorgekommen bin wie Freiwild geht zu Ende. Durchatmen!

Wenn Ihr wissen wollt, wie Ihr wesentlich entspannter über diese Grenze kommt klickt hier: Wie Ihr entspannter von Bangkok nach Siem Reap kommt. Tipps zum Grenzübergang Aranya Prathet nach Poipet

Euer Irishman in Kambodscha

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Hello, hello! Ich bin Patrick. Rothaarig. In dieser Kombination sozusagen Ire. Mehrmalsauszeitnehmer. Wenn ich nicht gerade Köln entdecke, dann die Welt. Hier erfährst Du mehr über mich

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