Gönn Dir eine Auszeit auf Zeit – 12 Fragen an Auszeitnehmerin Annukka

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Im vierten und vorerst letzten Teil der Interviewreihe über Auszeitnehmer bin ich mit Annuka aus Köln ins Gespräch gekommen. Die erfolgreiche Architektin spricht mit mir über einen Job, der Ihr eigentlich Spaß gemacht hat, Zeitdruck, Überstunden, unglücklich sein, Durchhalteparolen und das Wiederfinden von Lebensfreude.

 

Hallo Annuka, vielen Dank dass Du Dir die Zeit nimmst und Deine Erfahrungen über Deine Auszeit und das Reisen mit uns teilst. Bitte stell Dich den Lesern kurz vor.

Hallo, ich bin Annukka, 34, Architektin aus Köln und habe mir von Anfang Februar bis Anfang Mai 2014 eine Auszeit in Neuseeland genommen.

 

Wie bist Du damals eigentlich auf die Idee gekommen, Dir eine Auszeit zu nehmen?

Ich arbeite seit acht Jahren in meinem Beruf. Ich liebe Architektur und eigentlich macht mir mein Job sehr viel Spaß. Doch am Schluss habe ich meine Arbeit gehasst. Ich habe gar nicht so richtig realisiert wie lange ich eigentlich schon unglücklich war. Überstunden, viel Verantwortung, Zeitdruck und wenig Freizeit hatten meine Lebensfreude auf ein Minimum geschrumpft. Unerträglich wurde die Situation durch ein Projekt im letzten Jahr, das nicht in den Griff zu bekommen war.

 

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Neuseeland (by Annukka)

Bist Du spontan los, oder wie lange hast Du Dich mit dem Gedanken auseinandergesetzt?

Im Grunde habe ich mich ein ganzes Jahr mit der Entscheidung zu kündigen rumgequält. Alle Gespräche mit den Chefs, dass es so nicht weiter gehen kann haben nicht gefruchtet. Den endgültigen Entschluss habe ich in einem Urlaub gefasst. Obwohl ich eigentlich nur vier Wochen Kündigungsfrist hatte, habe ich noch 2 ½ Monate weitergearbeitet.

 

Eine Auszeit kann Unsicherheit bedeuten. Hattest Du Ängste oder was hat Dir Sorgen bereitet?

Klar hatte ich Angst. Das ist ja DER Grund, warum ich überhaupt so lange glaubte diese unglückliche Situation aushalten zu müssen. Durchhalteparolen wie „Woanders ist es auch nicht besser“ und „Arbeit macht halt nicht immer nur Spaß“ haben mich lange zögern lassen.

 

Deiner Entscheidung erfordert viel Mut. Warum hast Du letztendlich den Schritt gewagt und wie schwer fiel es Dir?

Im Grunde war es keine mutige Entscheidung zu kündigen. Es ging einfach nicht mehr. Es war schon fast ein körperliches Gefühl, dass ich diesen Job nicht mehr machen kann. Es war mir eigentlich egal, was danach kommt. Im Nachhinein kommt es mir wie das Beenden einer Beziehung vor.

„Wenn man einmal wirklich weiß, dass die Sache keine Zukunft mehr hat, muss man sie beenden.“

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Alles wird letztendlich gut (by Annukka)

 

Eine Auszeit kann für viele Aktivitäten genutzt werden. Warum hast Du Dich für eine Reise entschieden und welchen Reisetraum hast Du Dir während Deiner Auszeit erfüllt?

Die Entscheidung zu verreisen kam eigentlich erst nach der Kündigung. Ich brauchte Abstand und konnte mich erst mal nicht auf eine andere Stelle bewerben. Aber Rumsitzen ist nicht mein Ding und so habe ich mich fast wahllos auf verschiedene Work & Travel Jobs in der ganzen Welt beworben (Workaway.info kann ich an dieser Stelle nur empfehlen). Die erste Antwort kam von einem kleinen Hostel in Neuseeland. Wie es der Zufall will kannten zwei Freunde von mir dieses Hostel  und hatten nur Gutes zu berichten.

 

Hast Du diesen Schritt je bereut?

Nie.

 

Wie hast Du Deine Reise organisiert?

Von da an ging alles ganz schnell. Innerhalb von zwei Wochen habe ich einen Flug gebucht, den Papierkram erledigt und meine Wohnung untervermietet .

 

Wenn Du auf Deine Erlebnisse und Erfahrungen während Deiner Reise zurückblickst, was hat Dir Deine Auszeit gegeben?

Ich habe ein wunderschönes Land entdeckt, unfassbar interessante Menschen kennengelernt, bin Surfen gegangen und habe mich frei und glücklich gefühlt. Die wichtigste Erfahrung für mich ist das Gefühl mein Leben selbst im Griff zu haben. Vorher fühlte ich mich gefangen und meiner Lebenssituation ausgeliefert.

 

Wärst Du gerne früher diesen Weg gegangen?

Wie schon gesagt, eigentlich hätte ich schon ein Jahr früher gehen sollen. Aber es fiel mir einfach extrem schwer mich gegen die „Karriere“ bzw. die persönliche und gesellschaftliche Pflicht zu arbeiten zu entscheiden.

 

Eine Reise ist natürlich auch mit Kosten verbunden. Wie hast Du Dir das Ganze finanziert?

Ich habe dort für meine Unterkunft in dem Hostel ca. drei Stunden pro Tag gearbeitet. Das war ein sehr günstiger Weg mir meinen Auslandsaufenthalt zu finanzieren.

 

War es nach Deiner Rückkehr einfach, sich wieder an die Normalität zu gewöhnen?

Ja. Die Reise hat viele grundlegende Fragen zum Thema „Wie will ich eigentlich leben?“ aufgeworfen. Ich hätte meine alte Stelle wieder haben können, habe mich aber dagegen entschieden. Ich vermisse Neuseeland noch immer. Gerade habe ich drei Wochen zur Probe bei einem Baumhausprojekt gearbeitet.

 

Zum Abschluss, was würdest Du gerne den Lesern mit auf den Weg geben?

Jeder Mensch ist anders und ich war eigentlich nie der Typ, der schon immer ins Ausland gehen wollte. Aber diese Reise hat mir sehr geholfen meine Lebenssituation mit etwas Abstand zu betrachten. Endlich hatte ich mal Zeit einfach nur zu sein. Außerdem habe ich viele interessante Gespräche geführt und Lebensweisen/ -entwürfe kennengelernt, die ich vorher nicht für möglich gehalten hätte.

Liebe Annukka, vielen Dank für Deine inspirierenden Antworten. Ich bin mir sicher, dass viele Leser sich in derselben Situation befinden und Deinen Zuspruch sich für eine Auszeit zu entscheiden, gerne annehmen und Sie in Ihren Überlegungen unterstützt.

Ich wünsche Dir für Deinen weiteren Lebensweg alles Gute, viel Glück und Zufriedenheit bei Deinen Entscheidungen und alle nur erdenkliche Lebensfreude.

Lust auf eine Auszeit bekommen? Noch Fragen? Was denkst Du über das Interview mit Annukka? Ich freue mich auf Deine Kommentare, Fragen und Anregungen.

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About Author

Hello, hello! Ich bin Patrick. Rothaarig. In dieser Kombination sozusagen Ire. Mehrmalsauszeitnehmer. Wenn ich nicht gerade Köln entdecke, dann die Welt. Hier erfährst Du mehr über mich

6 Kommentare

  1. Hallo Patrick,

    ein sehr schönes Interview mit sehr ehrlichen und bodenständigen Antworten. Man bekommt einen guten Eindruck wie Annuka sich an das „Wagnis – Auszeit“ herangedacht hat. Davon wolle wir mehr lesen.

    LG, Melanie

    • Liebe Melanie,
      es freut mich sehr, dass Dir das Interview einen realsistischen Eindruck über eine Auszeit geben konnte. Das ist Ziel dieser Interview Reihe. Eine Auszeit kann sich jeder nehmen, Du musst es nur wollen und Dich entscheiden.

      Freu mich auf weitere Besuche von Dir.

      Liebe Grüße aus Köln
      Patrick

  2. Auf eine Auszeit habe ich schon länger Lust. Es hat lange gedauert, bis wir uns dazu entschieden haben. Jetzt ist es endlich bald soweit und ich bin voller Zweifel. Da kam das Interview und Annukkas Worte genau richtig.
    Danke für deine Serien – das macht Mut, die Auszeit durchzuziehen.
    LG Steffi

    • Hallo Steffi,

      ich denke vor einer Auszeit gibt es immer Zweifel und den richtigen Zeitpunkt wirst Du nie finden. Umso schöner, dass Dir das Interview gemacht hat und Dich in Eurem Auszeitvorhaben bestärkt hat. Ich persönlich finde das klasse. Eine Auszeit mit seinen Eindrücken und ERfahrungen kann einem niemand mehr nehmen.
      Lasst es Euch gutgehen und ich würde mich freuen zu erfahren, wo es Euch überall hinzieht.

      Liebe Grüße
      Patrick

  3. Auch dieser Teil deiner Auszeit-Serie ist wieder toll zu lesen. Vielen Dank dafür. Nur schade, dass es der letzte Teil ist… Aber wer weiss, vielleicht gibts ja mal ne Fortsetzung. 🙂

    • Hello Sarah,

      danke sehr, das freut mich ungemein. Ich will nicht zuviel verraten, aber ich denke, es wird nicht das letzte Interview gewesen sein…

      Lg aus Köln
      Patrick

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