Per Anhalter günstig durch Kanada reisen – 7 Tipps wie Ihr am schnellsten mitgenommen werdet!

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Leuchtende Augen, den Mund weit geöffnet, in dem Versuch weiter zu atmen, meine restlichen Gesichtszüge in Glückseligkeit getaucht. Ich bin überwältigt, aufgeregt und von einem beschwingten Hochgefühl durchflutet, als ich den Lake Moraine in all seiner Herrlichkeit anmutig von einer Lake Moraine CanadaAnhöhe aus vor mir liegen sehe. Eine spiegelglatte, azurblaue Wasseroberfläche, die schneebedeckte, zerklüftete Silhouetten der den See umrandenden Bergkette zurückwerfen.

Kanada ist wunderbar und wunderschön. Der Westen Kanadas verkörpert mit seinen endlosen Gebirgszügen, dichten Wäldern, unzähligen Flüssen und Seen, sowie den einsamen, sich durch diese Landschaften schlängelnden Straßen: Freiheit, Wildnis und Abenteuer.

Und Kanada ist ein Land der unglaublich weiten Entfernungen. Um sich das besser vorzustellen zu können: Kanada hat flächenmäßig das 29 fache Ausmaß von Deutschland. Allein in die Provinz British Columbia im Südwesten Kanadas würde das deutsche Gefilde 2,6 mal hineinpassen. Um die überaus entspannte Einstellung der Kanadier zu der Weite des nordamerikanischen Landes mit ein zu beziehen, sei erwähnt, dass ein Paar aus Edmonton, Alberta die knapp 900 Kilometer Hin- und Rückfahrt für eine Nacht Camping in Lake Louis, British Columbia auf sich genommen haben. Auf den ca. 200 km, die Sie mich mitgenommen haben, erfuhr ich, dass es sich dabei nicht um ein einmaliges Abenteuer handelte, sondern regelmäßig alle 2 Wochen stattfindet. Jetzt stellt sich die Frage, wer würde so etwas in Deutschland machen?

Dementsprechend nimmt der Transport nicht nur viel Zeit in Anspruch, sondern auch das Reisebudget wird überaus strapaziert. Die 850 km lange Strecke zwischen Vancouver in British Columbia und Banff, Highway Canadian Rockies CanadaAlberta in den Rocky Mountains dauert gute 15 Stunden und kostet zwischen 79-150 CAD (ungefähr 56 bis 114 EUR; in der Regel ist die günstigste Alternative ein Online-Ticket ohne Anspruch auf Erstattung). Für die Strecke zwischen Banff und Jasper in Alberta werden dagegen um die 110 CAD (80 EUR) fällig, obwohl die Strecke gerade einmal 300 km lang ist. Zug und Mietwagen scheiden als wesentlich teurere Alternativen aus. Was bleibt ist: Daumen raus und per Anhalter los! (engl. hitchhiking).

Jede einzelne Provinzen und Gemeinde hat in Kanada Ihre eigenen Gesetze zum Trampen. Oftmals ist das eigentliche Verbot an Fußgänger auf den Highways gerichtet, aber teilweise ist Hitchhiking tatsächlich verboten. Theoretisch. Ich habe den Westen Kanadas fast ausschließlich per Anhalter bereist und hatte nicht einmal Probleme. Selbst als ich ausversehen einem Polizeiauto meinen Daumen präsentiert habe, fuhren Sie lächelnd an mir vorbei. Habe ich schon erwähnt, dass Kanadier wahnsinnig freundliche Menschen sind?

Und wie werde ich jetzt am schnellsten mitgenommen?

  1. Die Scheu ablegen: : Auch wenn es einem Anfangs nicht leicht fällt, sich zu überwinden, die Hand mit erhobenem Daumen auszustrecken oder ein Schild vor sich zu halten und sich auf dem Seitenstreifen-Laufsteg zu präsentieren. Traut Euch!
  2. Erkennbares Schild mit dem Endziel: Einheimische kennen die Gegend und können oftmals abschätzen ob, und wie weit Sie Euch mitnehmen können, sobald Sie wissen wohin Ihr genau reisen wollt.
  3. Daumen raus, Daumen raus und Daumen raus: Auch wenn es einem Anfangs nicht leicht fällt, sich zu überwinden, die Hand mit erhobenem Daumen auszustrecken in Kanada Leute aus Freundlichkeit immer wieder anhalten, um zu fragen ob Sie Euch mitnehmen können: Daumen raus hilft! Auch wenn Ihr in Fahrtrichtung zu Fuß unterwegs seid!
  4. Lady´s first: Falls Ihr mit einer Frau, oder als Paar unterwegs seid gilt: Frauen an erster Stelle, Männer in den Hintergrund. Die Erfahrung lehrt, dass Frauen einfach attraktiver und An Irishman on tour per Anhalter durch Kanadavertrauenswürdiger auf Vorbeifahrende wirken.
  5. Ein freundliches Lächeln auf den Lippen: Ganz ehrlich, würdet Ihr jemanden mitnehmen, der Euch griesgrämig und unfreundlich anstarrt? Auch wenn es nicht auf Anhieb klappt, der nächste Wageninsasse kann nichts dafür
  6. Platziert Euch clever: Es ist wichtig, dass Ihr Euch so aufstellt, dass ein Anhalter gut und sicher am Straßenrand parken kann.
  7. Lasst Euch außerdem absetzen, wo Ihr mit, hoher Wahrscheinlichkeit eine Weiterfahrt aufgabeln könnt. Tankstellen, Rast- oder Parkplätze sind dafür bestens geeignet. Sprecht dort die Leute an und fragt ob Sie Euch mitnehmen können!

Truck KanadaÜbrigens, Kannst Du mich mitnehmen heißt auf Englisch: Can you give a ride to…, oder Can you give me a lift…

Und bitte: Hitchhiking ist zwar eine sehr günstige und meist kostenlose, allerdings keinesfalls eine ungefährliche Transportmöglichkeit. Der Highway 16 im Norden British Columbia´s ist die traurige Bestätigung. Auf dem „Highway of tears“ (Straße der Tränen) sind seit 1969 dutzende Frauen spurlos verschwunden.
Passt auf Euch auf und kommt gut und sicher an Euer nächstes Ziel! Und vielleicht dürft Ihr auch mal bei einem Truck selbst hinters Steuer. Das ist aber eine andere Geschichte…

 

Euer
Irishman Patrick on tour in Kanada

 

 

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Hello, hello! Ich bin Patrick. Rothaarig. In dieser Kombination sozusagen Ire. Mehrmalsauszeitnehmer. Wenn ich nicht gerade Köln entdecke, dann die Welt. Hier erfährst Du mehr über mich

2 Kommentare

  1. Toller Artikel 🙂 Da kommen super Erinnerungen an die Zeit in Kanada auf! Und ich kann dir nur zustimmen bei allem was du übers Hitchhiken sagst. Schreib ja fleißig weiter, wird immer gerne gelesen!

    • Hallo Nadine, dankeschön 🙂 Kanada hat mich auch schwer beeindruckt. Und ich verspreche weiterhin fleißig zu berichten. Auf das Reisen und die Menschen die einem dabei begegnen!

      Liebe Grüße
      Patrick

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