Wie es sich anfühlt wenn Dein Hinterrad ausbricht, die Leitplanke fehlt und es außerdem 500 m in die Tiefe geht – Oder wie überlebe ich die Death Road in Bolivien! (1/2)

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Das Surren der Radnarbe dringt gedämpft durch den Sturzhelm an meine Ohren, der Fahrtwind bläst mir ins Gesicht und rauscht durch das schützende Mundstück des Helms in meinen durch die Aufregung sperrangelweit geöffneten Mund. Schweiß rinnt mir die Augen entlang und hinterlässt einen salzigen Geschmack auf meinen Lippen. Der Schotter knirscht unter den Rädern, Steine werden unter dem Druck mit einem lauten „ping“ nach außen gepeitscht. Ich stehe im Sattel, die Füße in die Pedale gepresst, meine Hände fest an den Lenker gekrallt. Mein ganzer Körper ist angespannt und vibriert trotz der Federgabel auf und ab mit den Unebenheiten der Strecke. Ich rase auf eine Rechtskurve zu. Ich bin viel zu schnell unterwegs und werde nach außen getragen. Entferne mich immer weiter von der grün bewachsenen, zerfurchten Felswand zu meiner Rechten und fahre auf den Abgrund zu.

Abhang Death Road BolivienIch bremse, das Hinterrad bricht mit einem Fauchen aus, komme ins Straucheln und schlittere dem Grat entgegen. Die Angst schlägt mir mit einem Stich in die Magengrube. Meine Pupillen weiten sich als meine Augen den Abgrund wahrnehmen. Geistesabwesend löst sich meine Hand intuitiv von der Bremse und zieht den Lenker herum. Das Fahrrad gehorcht umgehend und der Schotterweg hat mich auf der sicheren Seite wieder. Mein Herz hämmert, ich fühle mich kraftlos und überwältigt von dem Adrenalinstoß des Schreckens. Mein Atem beruhigt sich, ich fahre weiter. Das war knapp…

Die sogenannte Death Road ist eine der spektakulärsten und gefährlichsten Straßen der Welt. Es ist die alte Verbindungsstraße zwischen La Paz und Yolosa und wird mittlerweile fast ausschließlich für das Downhill-Abenteuer genutzt. Von La Cumbre, der Passhöhe auf 4560 Höhenmeter geht es in einem atemberaubenden und adrenalingeladenen Ritt ungefähr 65 km durch verschiedene Klimazonen hinab bis auf 1300 über dem Meeresspiegel.
Blick von La Cumbre Death Road BolivienDem unwirtlichen kalten Passgebiet mit seinen bedrohlichen Felsformation und asphaltierter Straße entlang, schlängelt sich schon bald ein Schotterweg durch den schwülheißen Hochdschungel an der Felskante der dicht bewachsenen Felsen entlang und bietet einen überwältigenden Ausblick über das Tal in seiner saftig, dunkelgrünen Farbe. Felswände ragen in den Weg hinein, Wasserfälle tropfen die Hänge entlang und erzeugen eiDenkmal Death Road Bolivienne friedlich romantische Stille. Und dann, ja und dann fällt Dir schlagartig auf: Da fehlt etwas! Die Felskante, diese Felskante die bis zu 500 m in die Tiefe stürzt, ist nicht mit einer schützenden Leitplanke versehen, sondern gibt den Weg in den Abgrund frei. Jäh und gefährlich. Nicht zu Unrecht säumen kleine Denkmäler den Wegesrand und warnen mit nüchterner Klarheit vor den Gefahren der italienischen oder der israelischen Kurve in Anlehnung der dort Verunglückten. Ist die erste Beklommenheit verflogeWracks Death Road Bolivienn und wagt einen vorsichtigen Blick über den Grat hinaus, so entdeckt man versprengte rostig metallene Klumpen in den grünen Hängen. Und mit einem Mal wird Dir klar: Das müssen Wracks der unglücklichen Autos und Busse sein, die auf Abwege gerieten. Gedanken formen sich zu einem: Allerdings, das ist eine gefährliche Straße!
Wie Ihr dieses Abenteuer sicher übersteht und trotzdem Spaß haben werdet, erfahrt Ihr Ende der Woche…

Euer Irishman on tour

Wie Ihr das Abenteuer sicher und mit jeder Menge Spaß übersteht, könnt Ihr in Teil 2 lesen.

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Hello, hello! Ich bin Patrick. Rothaarig. In dieser Kombination sozusagen Ire. Mehrmalsauszeitnehmer. Wenn ich nicht gerade Köln entdecke, dann die Welt. Hier erfährst Du mehr über mich

3 Kommentare

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  2. Ich weiß nicht wann Du dort warst, seit einigen Jahren gibt es eine Umgehungsstrasse und die alte Yungas Road aka Death Road ist für normalen Verkehr gesperrt. D.h. heute ist die Death Road so gefährlich wie jede Schotterpiste in den Alpen mit dem Mountainbike.

    Der Name Death Road ist schlaues Marketing der Anbieter, damit Touris teure Fullys mit Protektoren mieten statt denm 25% so teuren einfachen Hardtails und danach auf Facebook posten können, wie toll sie sind.

    Gefährlich ist die Yungas Road also schon lange nicht mehr, aber schön ist sie auf jeden Fall. 3 Klimazonen mit dem Rad in wenigen Stunden, fast ohne Anstiege? Count me in!

    • Hello, hello!
      als ich die Death Road heruntergedonnert bin, gab es noch keine Smartphones und Facebook stand noch ganz am Anfang seiner Entwicklung. Das war im Jahr 2007.
      Allerdings war die Umgehungsstrasse damals schon gebaut und nur am Ende sind mir zwei Lastwagen entgegengekommen.
      Ich gebe Dir recht dass der Begriff „Death Road“ von alten gefährlicheren Zeiten lebt und heutzutage etwas zu hochgegriffen ist. Zugegebenermassen, wurde mein Puls und meine Adrenalinzufuhr jedoch stark strapaziert, als ich mich schneller als lieb, sich der Abgrund näherte. Wenn auch wegen zu wagemutiger Fahrweise mit überhöhter Geschwindigkeit.
      Was bleibt ist für mich weiterhin ein wunderbares und spannendes Abenteuer an das ich gerne zurückdenke und jederzeit wiederholen würde. Wie Du sagst eine wunderschöne Strecke durch gleich 3 Klimazonen.

      Viele Grüße, Patrick

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